JazzIndeed w/t Michael Schiefel

Das Ostkreuz im Berliner Stadtteil Friedrichshain ist der belebteste Bahnhof im Nahverkehrsnetz der Deutschen Hauptstadt. Tag für Tag steigen hier rund 140.000 Menschen um in eine der neun Linien, die die Metropole durchkreuzen, umkreisen und mit dem Umland verbinden. Der Knotenpunkt, 1882 erbaut, ist denkmalgeschütztes Alltagsmuseum, sanierungsbedürftiges Provisorium und lästige Dauerbaustelle zugleich – kein Wunder, dass JazzIndeed "Ostkreuz" zum Titel ihres Berlin-Albums gewählt haben. Nach fast zwei Jahrzehnten widmet das Quintett seiner "Heimatstadt" eine liebevolle Hommage. Denn Berlin, das ist für die fünf Musiker nicht nur Wohnort und die Stadt, in der sie 1992 als Band zusammenfanden. Berlin, das bedeutet auch Freiräume und Mythen, fremde Großstadt-Reviere und fast dörfliche Kiez-Nachbarschaften.

"Ostkreuz" ist aber auch das lange erwartete vierte Album von JazzIndeed. Und so setzt  Berlin« den Anfang eines enorm vielseitigen Programms - jene wehmütige Hymne, die Fischer-Z 1981 (auf "Red Skies Over Paradise") der ummauerten Insel widmete. Genauer: jenem urbanen Dschungel, der in dieser ökologischen Nische der Weltgeschichte wurzelte und blühte. Drei Jahrzehnte später hat »Berlin« nichts von seiner Faszination verloren, auch wenn die Großstadt-Klischees jetzt den direkten Vergleich mit anderen Lebensformen aushalten müssen, wie Michael Schiefels "Auf´m Dorf" mit Altsax- und Synthie-Hochdruck unterstreicht. Der knackige Hit (übrigens auch eine Coverversion - von Schiefels Soloalbum "Don´t Touch My Animals") stellt klar: wenn JazzIndeed von Berlin singen, ist das kein Soundtrack für Bedeutungshuberei im Guido-Knopp-Format, sondern dann sind das persönliche Liebeserklärungen an das Leben in und mit einer Stadt, von der sich schon die ganze Welt ein – wenn auch oft falsches – Bild gemacht hat. So blieb selbst vielen Berlinern lange das weit im Osten gelegene "Ostkreuz" ein Symbol für den unbekannten Teil ihrer Stadt. "Als ich nach Berlin gezogen bin, war das echt noch nicht auf dem Radarschirm" berichtet Michael Schiefel, Sänger und damit eine Art Frontmann der Band. "Ich war in Westberlin, und der Prenzlauer Berg, das war dann schon der totale wilde Osten". Jetzt zeichnet der Titeltrack, den Bassist Paul Kleber mitbrachte, mit ostinaten Patterns ein Stimmungsbild vom quirligen Bahnhof, auf dem man nicht nur zu Zeiten des "witterungsbedingt eingeschränkten Betriebs" auch einfach "hängen bleiben" kann.